Trennungskinder

Wie Du in einfachen Schritten Trennungssituationen überbrückst

Rund um das Thema Trennung gibt es EIN einfaches Grundprinzip, das Du in jedem Fall draufhaben solltest: Du legst den Fokus niemals auf die Trennung - sondern immer auf den nächsten Verbindungspunkt.
 
In der Sprache ist es drin – auf Wiedersehen, au revoir, ci vediamo...
  
Heißt: Wenn Du Dich am Morgen von Deinem Kind verabschiedest, betonst Du was Ihr beim Wiedersehen gemeinsam Schönes tun werdet. Ein Eis essen, ein Lieblingsbuch lesen, eine Runde Kuscheln, eine Verabredung mit Freunden.
  
Wenn Dein Kind noch sehr klein ist und die Zeit bis zum Wiedersehen lang, bietest Du Verbindungspunkte für zwischendurch an: 

  • „Wenn Du in der Kita zu Mittag ißt, denke ich ganz fest an Dich!". 
  • Oder Du gibst Deinem Kind einen Edelstein voller Mama-und-Papa-Liebe für seine Hosentasche mit. 
  • Oder ein kleines Armbändchen, das Dein Kind den Kindergartenmorgen an Dich erinnert. 
  • Oder Ihr kleidet Euch an einem Morgen mit viel Trennungsschmerz in den gleichen Farben. 
  • Oder das Essen in der Brotbox ist in Herzform geschnitten.


So hilfst Du Deinem Kind an Dir festzuhalten. So hilfst Du Deinem Kind im Umgang mit all den unvermeidbaren Trennungserfahrungen, von denen unser Menschsein schließlich geprägt ist.
  
Auch wenn Ihr gerade physisch getrennt seid, bleibt Ihr doch mit unsichtbaren Fäden immer verbunden (Kennst Du schon das Buch „The invisible string" von Patrice Karst? Ein Bestseller-Kinderbuch zum Thema)
  
Genauso machst Du es übrigens auch, wenn es ums Schlafengehen geht: Du richtest die Aufmerksamkeit auf die Verbindung statt auf die Trennung.
 
Zum Beispiel so: 

  • Du stellst ein Foto der Familie ans Bett Deines Kindes („wir sind alle bei Dir")
  • Du legst ein Bilderbuch unters Kopfkissen Deines Kindes. Ein Buch, das Ihr am nächsten Morgen gemeinsam anschauen könnt
  • Du lädst das Kopfkissen Deines Kindes mit Deinen Küssen und Deiner Liebe auf
  • Du versicherst Deinem Kind, dass Ihr Euch bestimmt in Euren Träumen begegnen werdet
  • Du schaust immer wieder nach Deinem Kind und legst jedes Mal ein kleines Herz an sein Bett. Am Morgen findet Dein Kind dann ganz viele Herzen von Dir...


Und klar – je unreifer und abhängiger Dein Kind ist, desto schwerer kann es Trennung ertragen. Da braucht es an manchen Stellen einfach viel Geduld und das Vertrauen in die Entwicklung Deines Kindes hinein in mehr Eigenständigkeit. 

Aber glaub mir, spätestens wenn Dein Kind ein Teenie ist, wirst Du Dich über seine Sehnsucht nach Kontakt und Nähe mit Dir freuen!
  
Bindung und Trennung – sie sind wie zwei Seiten einer Münze.
  
Wie heißt es so schön in Maurice Sendaks "Wo die wilden Kerle wohnen"? 
„Und Max, der König aller wilden Kerle, war einsam und wollte dort sein, wo ihn jemand am allerliebsten hatte."
  
Wollen wir das nicht alle?
  
Das wünsche ich Dir und Deinem Kind jedenfalls – dass Ihr immer wieder da sein könnt, wo Euch jemand am allerliebsten hat! Und falls das nicht möglich sein sollte: Du weißt schon, Hauptsache, Du beherrscht die Kunst des Überbrückens...

Im Gespräch mit: Sarah Zöllner

 

Sarah Zöllner ist Journalistin, Autorin und Mutter von zwei kleinen Söhnen.

 

Mütter. Macht. Politik. - Ein Aufruf! 

 

…so heißt Sarah Zöllners zweites Buch, das am 1. September erscheint. In Zusammenarbeit mit der Soziologin Aurin Shirin Riedel entstanden, ist das Buch eine Sammlung von Interviews mit Expert*innen aus Verbänden, Unternehmen, Wissenschaft und Politik. 

 

Es nimmt die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, unter denen Mutterschaft - und Fürsorgeschaft im Allgemeinen - stattfindet, genau unter die Lupe. Und will Impulse setzen für grundlegende gesellschaftspolitische Veränderungen. 

 

Miriam: Liebe Sarah - ich bin über dein erstes Buch Alleinerziehend - und nun? und über deinen Mutter-und-Sohn-Blog auf dich gestoßen. Wie kam es zur Entstehung des Buches - und auch deines Blogs?

 

Sarah: Meinen Mutter-und-Sohn-Blog habe ich ja 2018 gestartet - zu einer Zeit, in der ich mich vom Vater meines jüngsten Sohnes getrennt habe. 

 

Auf einmal alleine im Alltag mit Kind – puuuh, das kann sich ganz schön einsam anfühlen! Da lastet viel Verantwortung und es gibt viel freie Zeit, die man - gerade mit einem kleineren Kind - auch erstmal füllen muss.

 

Ich hatte den Impuls, Menschen kennenzulernen, die in einer ähnlichen Situation sind. Zunächst war ich Teilnehmerin an einem Frühstückstreff - das war schon sehr beglückend für mich! Neben den schweren Themen, für die es auch Raum gab - habe ich viel Ermutigung erlebt. Das Gefühl der Gemeinschaft und Fröhlichkeit hat mich sehr gestärkt! Auch für die Kinder ist das so wichtig: Gemeinschaft zu erleben. Zu erleben, dass es viele andere Kinder gibt, deren Mamas und Papas auch nicht mehr zusammenleben.

 

Aus dem heraus habe ich - gemeinsam mit einer anderen Mutter - dann selbst ein Angebot für getrennt- und alleinerziehende Mütter und Väter in Köln entwickelt. Das war für mich Wirksamkeit pur: Aus meiner individuellen Situation etwas zu schaffen, das auch für andere eine positive Wirkung hat! 

 

Aus der Erfahrung der Trennung heraus ist dann auch mein 2020 erschienenes Buch "Alleinerziehend - und nun?“ entstanden. 

 

„Alleinerziehend und nun?“ ist kein Ratgeber - sondern eine Sammlung von stärkenden Texten in Zeiten von Trennung und Verlust. Es ist bewusst so aufgebaut, dass man sich die Kapitel heraussuchen kann, die einen thematisch gerade besonders ansprechen.  Die kurzen Texte können im Alltag wertvolle Anstöße geben - auch wenn man mal nur 10 Minuten Lesezeit hat…

 

Inhaltlich schlägt das Buch einen Bogen von der Trauer bis hin zur Neuorientierung nach Trennung: Wie erlebe ich mich nach der Trennung als Individuum? Wie erlebe ich mich als Mutter? 

 

Mir war wichtig, zu vermitteln, dass Trauer nicht der letzte Schritt dieses Prozesses ist. Und dass echte Stärke auch daraus erwachsen kann, dass man Momente der Schwäche und Orientierungslosigkeit bei sich annimmt. Denn: Freude und Trauer können durchaus auch neben einander stehen!  

 

Das höre ich immer wieder: „Alleinerziehend - und nun?“ ist wirklich ein Buch zum Weitergeben an Freunde, die gerade in einer ähnlichen Situation sind. 

 

Miriam: Ich bin neugierig, wie es zu dem Bogen vom Persönlichen, Privaten zum Gesellschaftspolitischen kommt? Denn „Mütter. Macht. Politik.“ ist ja ein Aufruf zum Hinschauen und Verwandeln gesellschaftlicher Rahmenbedingungen…

 

Sarah: Ich beschäftige mich schon sehr lange mit der Stellung von Müttern in unserer Gesellschaft - im Grunde mit der Stellung all jener Menschen, die für andere Menschen sorgen. Und den sie umgebenden Rahmenbedingungen. Dies ist mir sehr wichtig. 

 

Der Bogen zwischen den beiden Büchern ist aber für mich das Thema Stärkung: Zum einen auf individueller Ebene. Denn: Wir können individuell versuchen, unser Leben zu optimieren. Dabei ändert sich aber nur bedingt etwas, wenn die Rahmenbedingungen dem entgegenlaufen. Das Modell der Kleinfamilie trägt einfach nicht mehr. Und gerade alleinerziehende Mütter sind häufig sehr isoliert! 

 

Es ist aber eben nicht nur deine Privatsache wie es dir geht! Es spielt immer mit rein, wie unsere Gesellschaft Mütter betrachtet. Und welche Rahmenbedingungen unsere Gesellschaft für Mütter schafft. 

 

Für echte Stärkung braucht es nämlich bestimmte stärkende gesellschaftliche Rahmenbedingungen! 

 

Zum Beispiel in Form ausreichender Kinderbetreuung, um einer Erwerbstätigkeit nachgehen zu können. Hier kommt das große Thema der Vereinbarkeit von Familie und Beruf ins Spiel…

 

Dazu gehören auch Fragen wie: Was wird gesellschaftlich wertgeschätzt? Wofür gibt es schlicht Geld? Wie schaffe ich mir eine soziale Absicherung - auch für das eigene Alter und eine Phase, in der ich selbst geschwächt sein werde? Wie kann ich gut für mich sorgen?

Wer sorgt für mich?

 

Und klar - unsere Gesellschaft: Das sind Wir! Selbst mitgestalten zu wollen und zu können - von dieser Haltung ist „Mütter. Macht. Politik“ getragen. Wir können Veränderungen bewirken - in mehr oder weniger großen Schritten, je nachdem welche Ressourcen uns zur Verfügung stehen. Es ist immer wieder wichtig sich zu erinnern: Wir sind den Bedingungen nicht ausgeliefert!

 

Miriam: Mich interessiert noch: Was macht es mit dir als Mensch und als Mutter dich an diesen Platz zu stellen von gesellschaftlichem Wirken? 

 

Sarah: Ich finde das sehr schön. Für mich hat das etwas wunderbar Schöpferisches: So wie ich als Mutter auch schöpferisch bin, kann ich hier geistig-intellektuell - aber auch auf der emotionalen und sozialen Ebene etwas in die Welt tragen. 

 

Für mich ist das total befriedigend, wenn all diese Themen auf Resonanz stoßen und Menschen anziehen, die ähnliche Fragestellungen bewegen. Daraus ergeben sich wieder neue spannende Initiativen und Projekte. 

 

Mir macht das Hoffnung. Denn Bewegung ist möglich! Machen ist möglich! 

 

Und: Man muss es nicht alleine machen - das ist ganz wichtig…

 

Trennungskinder begleiten: Meine fünf besten Tipps

Zuerst waren es nur die wiederkehrenden Streitigkeiten – dann aber kam dieses vierminütige Gespräch im Treppenhaus eines Mietshauses im Berliner Prenzlauer Berg. Bäm! Mit einem Schlag war ich alleinerziehend. Und mein Kind ein Trennungskind.

Damals wusste ich nicht mehr, wo oben und unten ist. Von jetzt auf gleich war unsere vertraute Familienwelt zusammengebrochen. Wie im Nebel steuerte ich durch die ersten Wochen und Monate nach der Trennung. Weinte Nächte durch und fuhr am nächsten Tag mit verquollenen Augen zur Arbeit.

Wie kann ich mein aufgewühltes Kind nach der Trennung begleiten?

Aber vor allem versuchte ich, mit Ach und Krach mein aufgewühltes Trennungskind zu begleiten – mehr schlecht als recht. Ich fragte mich, wie das gehen soll: Meine eigenen Gefühle tiefer Verlassenheit aushalten – während mein Kind einen Wutausbruch nach dem nächsten bekommt?


Wie sollten wir da jemals unbeschadet durchkommen? Wie heißt es noch? Die dunkle Nacht der Seele… Genauso fühlte es sich jedenfalls an. Ab da war klar: So konnte es nicht weitergehen. Ich musste besser verstehen, was bei mir los ist und was mein Kind in dieser Situation braucht. Also: Eine Art Elterntraining musste her. Und Elterncoaching… Und? Siehe da – der Nebel lichtete sich mit der Zeit. Ein gangbarer Weg tauchte auf.


Das Ganze ist jetzt sieben Jahre her. Mittlerweile gebe ich das Wissen und die Einsicht aus dieser schweren Zeit als Elterncoach an andere (Trennungs-) Eltern weiter.

Hier verrate ich dir meine fünf besten Tipps:

1. Fokussiere dich auf (Ver-) Bindung statt auf Trennung! 

Nutze die Zeit mit deinem Kind, um die Verbindung zwischen euch zu stärken. Ob getrennt oder nicht getrennt – es ist nun mal unser Job als Eltern, dem Kind diesen Beziehungsraum immer wieder proaktiv anzubieten. Denn: Die Bindung zwischen dir und deinem Kind ist der Boden, von dem aus dein Kind sich entwickelt und heranreift. 


Gerade in Zeiten von Trennung ist es wichtig, immer wieder die Verbindung – und vor allem den nächsten Verbindungspunkt zu betonen. Wenn dein Kind zum anderen Elternteil wechselt, kann das zum Beispiel so aussehen: „Ich freu mich riesig drauf, wenn wir uns wiedersehen – dann gibt’s Kakao mit Schokostreuseln und wir lesen das nächste Kapitel in deinem Lieblingsbuch!“ Damit überbrückst du die Trennung und richtest die Aufmerksamkeit auf das Wiedersehen. Eigentlich total simpel, oder?

 

2. Finde alternative Möglichkeiten, um bei physischer Trennung Nähe aufrechtzuerhalten!

Eine richtig gute Möglichkeit: Du gibst deinem Kind etwas von dir mit – deine Lieblingsmütze, deinen geliebten Schal oder ein Medaillon mit einem Foto von dir. Oder kleine Freundschaftsbändchen, die ihr beide tragt. Ein Briefchen oder Glitzerherzchen in der Lunchbox. Oder ein bunter Edelstein in der Hosentasche. 


Du kannst mit deinem Kind auch eine Zeit vereinbaren, zu der ihr beide aneinander denkt – beim Mittagessen in der Kita oder vorm Einschlafen. Je nach Alter und Vorliebe deines Kindes eben! All das unterstützt dein Kind darin, in Zeiten von physischer Trennung an dir festzuhalten. Übrigens etwas, das wir intuitiv machen, wenn wir frisch verliebt sind 😉

3. Biete deinem Kind einen sicheren Raum, um seine Gefühle auszudrücken!

Frustration, Ängstlichkeit, Enttäuschung und Traurigkeit sind bei einer Trennung zu erwarten und völlig normal. Besonders die verletzlicheren Gefühle wie Trauer, Sehnsucht und Vermissen brauchen einen sicheren Raum, um sich zeigen zu können. 


Vermittle deinem Kind, dass Gefühle zu uns Menschen gehören und dass du an seiner Seite bist. Klar – für uns ist es schwer auszuhalten, dass wir unserem Kind Schmerz bereiten. Aber dein Kind wird mit seiner neuen Situation weitaus besser umgehen können, wenn es in deinen Armen weinen kann –anstatt mutig seine Tränen herunterzuschlucken und so zu tun als wäre alles ok.

4. Vermittle deinem Kind, dass es von beiden Elternteilen geliebt wird und – dass es beide Elternteile lieben darf!

Hmm, das kann ziemlich herausfordernd sein – ich weiß!  Vor allem wenn die eigene Verletztheit noch stark schmerzt… und es gibt natürlich noch tausend andere Gründe. Trotzdem: Wenn möglich, unterstütze dein Kind in seiner Bindung zum anderen Elternteil. Und vermeide, mit dem anderen Elternteil um die Gunst des Kindes zu konkurrieren. Zum Beispiel, indem du ein Foto des anderen Elternteils im Kinderzimmer aufstellst oder wertschätzend über den anderen sprichst. Denn denk dran: Dein Kind trägt beide Eltern in seinem Herzen…

5. Last but not least: Schaffe zwischendurch Räume für dich selbst und deine eigenen Gefühle! 

Dazu rate ich dir dringend: Räume für dich zu finden, in denen du deine Gefühle ausdrücken kannst. Räume, in denen du dich mit deiner Traurigkeit und Verletztheit gehalten und getröstet fühlst. Das kann ein guter Freund sein, ein Spaziergang in der Natur, die wöchentliche Yogastunde oder dein 6-Minuten-Tagebuch. Oder du malst, singst, dichtest… Alles, was dich in der Krise eben nährt. Alles, was deinem Herzen gut tut!


Glaub mir: Wenn du meine Tipps auch nur ein klitzekleines bisschen umsetzt, bist du auf jeden Fall auf dem richtigen Weg! Dein Kind wird’s dir danken.“

Dieser Blogpost erschien im Mai 2023 als Gastbeitrag im Elternblog Stadt Land Mama

Drei Schlüssel für die gesunde emotionale Entwicklung deines Trennungskindes

Während ich diese Zeilen schreibe, sitze ich an meinem Lieblingsnaturplatz. Am Meer. 


Heute ist das Meer ruhig. Kleine Wellen, die schnell brechen und verebben. 

Ganz anders als beim gestrigen Sturmtag: Da war das Meer aufgewühlt – mit dramatisch hohen Wellen, die sich voller Wucht und mit lautem Getöse gebrochen haben. 


Solche Sturmtage mit intensiven Emotionen, die hohen Wellen ähneln: Du wirst sie wahrscheinlich kennen, wenn du ein Kind durch eine Trennungssituation hindurch begleitest. 


Zeiten von Veränderung und Abschied von Gewohntem – all das aktiviert starke Emotionen. Es ist völlig normal, wenn dein Kind im Zuge einer Trennung emotional aufgewühlt ist!   


Vor allem die wiederkehrenden Bindungsunterbrechungen in den Hauptbeziehungen des Kindes, die in den allermeisten Fällen mit einer elterlichen Trennung einhergehen – die machen einem Kind erstmal ganz schön zu schaffen. 


Denn: Beziehung und Nähe zu seinen Hauptbindungspersonen ist einfach das vorrangige Bedürfnis eines Kindes. Es sichert sein Überleben.


Umgekehrt fühlt sich Trennung für uns Bindungswesen einfach sehr bedrohlich an! 


Da gehören intensive Emotionen einfach mit dazu. 


Typischerweise wird dein Kind im Zuge von Trennung von drei kraftvollen Uremotionen bewegt sein: Alarm, Frustration und Streben nach Nähe.  


Heißt: Möglicherweise hast du mit einem Mal ein Kind, das ängstlicher als zuvor ist. Ein Kind, das Angst vorm Einschlafen hat, nicht mehr allein zur Toilette geht oder unter dessen Bett plötzlich Monster hausen. 


Oder dein Kind ist reizbarer als zuvor und explodiert bei der kleinsten Gelegenheit. Vielleicht klebt dein Kind auch an deinem Rockzipfel und ist ständig damit beschäftigt, dich in seiner Nähe zu halten. Der Abschied vor dem Kindergarten oder dem Schultag fällt auf einmal schwer. 


All das sind typische Emotionen und Verhaltensweisen, wenn dein Kind mit viel Veränderung und mehr Trennung als zuvor konfrontiert ist! 


Und: Je kleiner dein Kind ist, desto eher wird es von diesen Emotionen überwältigt sein. Ein kleines Kind ist einfach noch nicht in der Lage, intensive Emotionen in sich auszubalancieren oder zu mäßigen. 

Es braucht dich daher als Halt unbedingt an seiner Seite – vor allem bei hohem emotionalen Wellengang!  

Die gute Nachricht aber ist: Während dieser größere emotionale Wellengang für alle Beteiligten ziemlich anstrengend und herausfordernd sein kann – die Emotionen sind gleichzeitig auch Teil der Lösung und Heilung! 


Denn dein Kind braucht seine Emotionen, um sich zu einem resilienten und reifen Erwachsenen zu entwickeln! 


Hier sind drei Schlüssel für die gesunde emotionale Entwicklung deines Kindes: 


BINDUNG: 

• Das Gegenmittel zu Trennung ist Bindung: Schenke deinem Kind einen warmen geborgenen Eltern-Kind-Beziehungsraum und minimiere – wenn möglich – Trennung.

• Betone, was trotz der veränderten Lebensumstände gleich bleibt.

• Biete deinem Kind immer wieder proaktiv Nähe und Bindung an, zum Beispiel durch wiederkehrende Bindungsrituale wie Kuscheln, das  Lieblingsbuch deines Kindes vorlesen, sein Lieblingsessen kochen, durch Spielerituale, etc. 

• Überbrücke Trennung, indem du dich auf den nächsten Verbindungspunkt konzentrierst. Wenn du dich zum Beispiel am Morgen von deinem Kind verabschiedest, sprich das Wiedersehen an: „Heute mittag, wenn ich dich abhole, gehen wir dein Lieblingseis essen!“ Oder gib deinem Kind etwas von dir mit, so dass es in Zeiten von Trennung an dir festhalten kann – einen kleinen Edelstein, ein Herz in der Brotbox, ein Freundschaftsbändchen oder dein Lieblingstuch.

• Erinnere dich an die Bindungshierarchie zwischen dir und deinem Kind: Du bist der fürsorgliche Erwachsene, der für das Herstellen und Nähren der Beziehung verantwortlich ist!


RAUM FÜR EMOTIONEN & TRÄNEN: 

• Auch wenn es für dich nicht so leicht zu ertragen ist: Lade dein Kind immer wieder mit all seinen Emotionen ein und unterstütze es dabei, seine Emotionen zu fühlen und auszudrücken. 

• Vermittle deinem Kind, dass Emotionen normal sind und sie zu uns Menschen gehören. 

• Werte es als ein gutes Zeichen, wenn dein Kind sich dir mit seinen Tränen und seiner Traurigkeit anvertraut. 

• Gerade die verletzlicheren Emotionen wie Trauer, Enttäuschung, Vermissen und Alarm sind wichtig für das weiche Herz und das Entwickeln emotionaler Resilienz. Sie lassen dein Kind mit dem sein, was sich nicht ändern lässt! 

• Tränen helfen deinem Kind dabei, angesammelten Stress, Spannung und Traurigkeit abzubauen und Verlust zu verarbeiten. Beim Weinen schwemmt dein Kind außerdem jede Menge Giftstoffe aus seinem Körper aus. 

EMOTIONALE SPIELPLÄTZE & RUHE:

• Spiel ist die Therapie der Natur: Spiel unterstützt dein Kind dabei, seine Emotionen auszudrücken. 

• Schaffe Spielräume für dein Kind und gib deinem Kind regelmäßig und proaktiv spielerische Ventile an die Hand. Je nach Emotion kann das sein: 

• Bewegungs- und Angriffsspiele, Ballspiele (werfen, treten), Bauspiele, Schimpfwörterspiele, Boxsack, Dartspiel, Gummischwerterkampf, Tanzen und laut singen, Trampolinspringen, Kämpfen und Rangeln, Kissenschlachten bei Frustration.

• Traurige Geschichten und Musik, Höhlen und Rückzugsorte mit Decken, Tüchern und Fellen, Zuhausespiele, Rollen- und Puppenspiele, Zeichnen und Malen, Puzzlen, Kochen und Backen bei Traurigkeit und Alarm.  

• Spiel ist der Zauberweg schlechhin, um Stress-Situationen zu entschärfen und Verbindung wieder aufzunehmen und zu stärken! 


Gerade in emotional bewegten Zeiten braucht dich dein Kind an seiner Seite. Es braucht dich als Schiffskapitän auf stürmischer See! Da ruckelt es zwar zwischendurch mal ordentlich, aber es ist völlig klar, dass ihr da unversehrt durchkommt.


Du wirst sehen – je besser du verstehst, was in deinem Kind emotional vor sich geht, desto besser wirst du dein Kind mit seinen emotionalen Wellen auch begleiten können. 


Und je sicherer sich dein Kind mit dir an der Seite fühlt, desto einfacher wird es Krisen wie eine Trennungssituation emotional gut bewältigen können und in seine Resilienz hineinwachsen!

Dieser Blogpost erschien im April 2023 als Gastbeitrag im Mutter-und-Sohn-Blog von Sarah Zöllner.

Wenn der Bindungsfaden reißt: Was Trennung mit deinem Kind macht


Du weißt es mittlerweile bestimmt schon: Trennung ist für uns Bindungswesen die größte Bedrohung. So sind wir nunmal gestrickt 😉
 
 Aber wenn Du jetzt bei Trennung nur an phyische Trennung denkst - an das "nicht-zusammensein-mit" - dann lies bitte weiter!
 
 Es gibt nämlich viele weitere Erfahrungen, die sich für Dein Kind wie Trennung anfühlen, auch wenn Du sie vielleicht nicht auf den ersten Blick als solche erkennst.
 
 Wie wär's damit: 

  • Anders als andere sein: Weil Dein Kind sehr schüchtern ist. Weil es sooo viele Wutanfälle bekommt wie kein anderer aus der Familie. Weil es ein Pflegekind ist. Oder weil Dein Kind eine andere Hautfarbe hat als die allermeisten Kinder in der Klasse. 


  • Aber auch: Nicht dazugehören. Nicht wichtig sein. Sich nicht geliebt fühlen. Nicht verstanden werden...


  • Trennung steckt auch in verbreiteten Disziplinierungsmaßnahmen: Time Outs, Schweigebehandlungen und Liebesentzug. Auch beliebt: Das Lieblingsspielzeug des Kindes wegnehmen.


  • Und natürlich gibt's die klassischen physischen Trennungen wie die Schlafenszeit. Die Zeit in Kindergarten und Schule. Oder auch der Wechsel zwischen zwei Elternhäusern, wenn die Eltern nicht zusammen leben.


All diese Erfahrungen sind schmerzlich und - ja - sie haben alle mit einem Erleben von Trennung zu tun. Und das macht Alarm und Frustration. Und verstärkt das Nähestreben: Dein Kind wird zu einem Klammeräffchen.
 
Kommt Dir davon etwas bekannt vor? Achte mal in der nächsten Zeit darauf, wo diese Erfahrungen von Trennung Dir in DEINEM Leben begegnen. Wo fühlst Du Dich anders? Nicht zugehörig? Nicht wertgeschätzt und verstanden? Und was löst das in Dir aus?
 
 Dann schau, ob Du dies im Leben Deines Kindes entdeckst.
 
Und natürlich gibt es auch die großen Trennungen - wenn Elternpaare auseinander gehen.
Darum geht's in meinen Elternkursen.
 
P.S.: Mehr zum Thema Trennung findest Du auch in meinem Interview mit der kanadischen Elternberaterin Jule Epp

Wenn Dein Kind für Bindung arbeitet: 5 Tipps um Dein Kind zu entlasten...

Dieses Thema geht mir ans Herz: Wenn ein Kind für Bindung arbeitet.
 
Ein Kind spürt genau, wie es sein muß, um die Beziehung zu seinen Hauptbindungspersonen stabil zu halten. Und damit sein Bedürfnis nach Nähe, Schutz und Geborgenheit erfüllt zu bekommen.
 
Wenn sich - aus welchen Gründen auch immer - die Hauptbeziehungen eines Kindes gerade wackelig anfühlen und zu viel Trennung im Raum steht, beginnt das Kind, für Bindung zu arbeiten.
 
Denn: Bindung bedeutet für ein Kind Überleben. Und natürlich wächst die Fähigkeit, mit Trennung umzugehen mit dem Alter und der Reifeentwicklung Deines Kindes.
 
Wenn ein Kind für Bindung arbeitet kann das so aussehen - 
 je nach Bindungseinladung des Gegenübers: 

  • es macht sich leicht und unkompliziert,
  • es macht sich übertrieben süß, lieb und folgsam,
  • es ist selten wütend,
  • es macht sich kleiner als es ist,
  • oder auch: es macht sich erwachsener als es ist,
  • es ist auffallend tapfer und leistungsstark.


Die schlechte Nachricht ist: Ein Kind, das für Bindung arbeitet, bleibt unsicher, rastlos und bindungshungrig.
 
Was kannst Du also tun, um Dein Kind von seiner Bindungsarbeit zu entlasten?
 
Du weißt es bereits: Im Zweifel geht's immer wieder zurück zu den Basics.
 
Beziehung stärken. Trennung reduzieren.
 
Also: 

  • Du vermittelst Deinem Kind, dass Du immer an seiner Seite bist - komme was wolle
  • Du lädst Dein Kind großzügig dazu ein, bei Dir zu sein (auch mit seinen schwierigen Seiten...)
  • Du bietest Deinem Kind dadurch eine Art Bindungshängematte an, in der sich Dein Kind aufgehoben fühlt
  • Du vermittelst Regeln und Grenzen in Verbundenheit und siehst von trennungsbasierten Disziplinierungsmaßnahmen ab (dazu ein andern Mal mehr...)
  • Du reparierst Bindungsabbrüche - z.B. nach Konflikten oder wenn Du selbst einmal deine Mäßigung verloren hast...


P.S.: Bitte nimm obige Liste (zum Kind das für Bindung arbeitet) als Inspiration. Bei all dem ist es immer wichtig, genau hinzuschauen! Hinzuschauen, was wirklich hinter dem Verhalten deines Kindes steht (dabei unterstütze ich Dich gerne...)