Elternblog

Bindungseinladung für Dein Kind 

Über die Bedeutsamkeit einer guten Eltern-Kind-Bindung wird mittlerweile viel gesprochen und das ist auch gut so. Doch wozu dient eigentlich Bindung und weshalb ist es so bedeutsam, dass sich Dein Kind 
an DICH bindet? 
 

Wir sind Bindungswesen:  Kontakt und Nähe sind für uns (menschliche Säugetiere) in der 

Hierarchie sogar höher angesiedelt als das Stillen von Hunger.
 
Bindung ist die Voraussetzung für Entwicklung und Reifwerdung: Der sichere und geborgene Bindungsraum zwischen Dir und Deinem Kind ist die Voraussetzung dafür, dass sich Dein Kind entwickelt und heranreift.
 
Bindung ist hierarchisch organisiert und stellt den Kontext dafür bereit, dass Du Dein Kind erziehen kannst: Dein Kind schaut zu Dir auf, hört zu, ahmt nach, ist loyal, hilft mit, will erfreuen, übernimmt Deine Werte, teilt seine Geheimnisse und noch vieles mehr. Ist Dein Kind an Dich gebunden, lässt es sich von Dir nähren, führen und trösten.
 
Dein Kind kommt dann in Deiner Gegenwart zur Ruhe, sein Herz wird weich und es kann seine Gefühle fühlen. Ist der Bindungstank Deines Kindes gefüllt, so ist es frei ins eigene Spiel zu finden oder auch voller Neugier die Welt zu erkunden und zu erforschen. Bindung braucht Pflege.
 
Was gelingt in Deiner Eltern-Kind-Bindung gut? Wovon wünscht Du Dir mehr für Dich und Dein Kind? Schreib mir und lass mich gerne wissen was Dich bewegt....


Bindung stärken - aber wie? 

Im letzten Blogpost ging es um die Bedeutsamkeit einer guten Eltern-Kind-Bindung - doch wie kannst Du diese so bedeutsame Beziehung pflegen und nähren? 

 
Vielleicht hilft es Dir, Dich zu erinnern was Du getan hast als Du das letzte Mal richtig verliebt warst: Auf welche Weise hast Du versucht, die Nähe Deines geliebten Menschen immer wieder herzustellen und zu 

bewahren? Dies ist durchaus übertragbar auf Deine Beziehung zu Deinem Kind. 

 

 Hier nun ein paar Ideen und Impulse: 

 

  •  Hilfreich ist, wenn Du Deinem Kind und seinem Bedürfnis nach Nähe zuvorkommst und es proaktiv zu Kontakt und Nähe einlädst. 

 

  • Wie bei einem üppigen Festmahl für Gäste bietest Du MEHR an als nachgefragt wird (die "Gäste" sollen ja nicht hungrig nach Hause gehen ;-) 

 

  • Kontakt und Nähe kann auf so viele verschiedene Arten erfolgen - je nach Alter, Entwicklungsstand und Interessensgebiet Deines Kindes: Hier kannst Du kreativ werden und Dein Kind noch besser kennenlernen. Worüber würde sich Dein Kind freuen? Wofür interessiert es sich gerade? Was kann Dein Kind besonders gut? Was ist sein liebstes Hobby? Womit könntest Du Dein Kind überraschen? Das kann beispielsweise ein neues schönes Spiel sein, ein kleiner Piratenaufkleber, ein Glitzerstift oder ein kleiner Liebesbrief von Dir an Dein Kind sein... 

 

  • Ihr lest gemeinsam das Lieblingsbuch Deines Kindes oder schaut gemeinsam einen schönen Film, spielt Ball oder baut gemeinsam eine Burg aus Sand... 

 

  • Du kochst Deinem Kind einen leckeren Kakao oder bereitest sein Lieblingsessen vor und lädst es zu einer Runde Kuscheln auf dem Sofa ein. 


  •  Du überrascht Dein Kind mit einem gemeinsamen Ausflug in den Zoo, ins Schwimmbad, in einen Kletterpark oder einen Abenteuerspielplatz. 

 

  • Oder Du bist einfach bei Deinem Kind und beschenkst Dein Kind mit Deinem Interesse und Deiner Präsenz. 

 

Du wirst sehen: Wenn die Bedingungen dafür förderlich sind, ensteht Bindung spontan! 

 

Welche Bindungseinladungen funktionieren gut in Deiner Beziehung zu Deinem Kind? Was bringt die Augen Deines Kindes zum Leuchten? 

 

Nimm' bitte die oben beschriebenen Wege und Möglichkeiten als Ideen und Impulse - ohne Dir damit Druck zu machen...Wenn hierzu Fragen bei Dir auftauchen und Du Dir an bestimmten Stellen mehr Unterstützung und Orientierung wünschst, so schreibe mir gerne dazu! 

Sechs Anzeichen geglückter Bindung: Woran Du merkst, dass die Bindungsinstinkte Deines Kindes aktiviert sind 

Hand aufs Herz: Wie steht es denn um die Beziehung mit Deinem Kind? Weißt Du wie Du die Bindung mit Deinem Kind nährst? Und: Woran merkst Du denn überhaupt, dass es "geklappt hat" mit dem Nähren und die Bindungsinstinkte Deines Kindes aktiviert sind? 

 

Hier folgen einige Impulse: Wenn wir mit Menschen in Beziehung gehen, nehmen wir normalerweise Augenkontakt auf, manchmal lächeln und nicken wir auch. So beginnt üblicherweise der menschliche Bindungstanz. Achte doch einmal bei Deiner nächsten zwischenmenschlichen Begegnung darauf. Und wende diesen kleinen Bindungstanz bei Deinem Kind einmal bewußt an. 

 

Das ist also der Anfang des zwischenmenschlichen Tanzes und wir tun gut daran, diesen nicht zu überspringen. Denn nur wenn die Bindung zu Deinem Kind angewärmt ist... 

 

  •  Will Dein Kind es Dir recht machen und Dich erfreuen 

 

  •  Ordnet Dein Kind sich Dir unter, schaut zu Dir auf und hört Dir zu 

 

  •  Sucht Dein Kind bei Dir nach Orientierung und folgt Dir 

 

  • Ist Dein Kind loyal und hilft mit 

 

  • Übernimmt Dein Kind Deine Werte und ahmt Dich nach 

 

  •  Will Dein Kind Dir nahe sein und teilt seine Geheimnisse 

 

 Wenn es also beim nächsten Mal "hakt" zwischen Dir und Deinem Kind - denk' dran: Immer zuerst die Bindungsinstinkte aktivieren, bevor Du eine Weisung gibst. 

 

 Oder kurz und knapp: BINDUNG VOR WEISUNG 

 

Das ist bei manchen Kindern allerdings leichter gesagt als getan. Woran es liegen kann, wenn Dein Kind immer bestimmen will und das letzte Wort haben muß, erkläre ich Dir in meinem nächsten Blogpost.


Wenn's einfach nicht rund laufen will...

es gibt Zeiten, in denen läuft der Bindungstanz mit unseren Kindern einfach nicht rund - wir bekommen unser Kind nicht wirklich eingesammelt oder der "Bindungsfaden" rutscht uns immer wieder aus der Hand.

Statt uns zu folgen, sich an uns zu orientieren und uns gefallen zu wollen ist unser Kind vorlaut, bestimmerisch, und will immer das letzte Wort haben. Die natürliche Hierarchie der Eltern-Kind-Beziehung, in der wir als Eltern im fürsorglichen Alpha für unser Kind sind, ist in diesen Momenten auf den Kopf gestellt. Unser Kind übernimmt die Führung. Sapperlot!

Von einer vorlauten 4jährigen herumkommandiert zu werden ist für die meisten Eltern keine so einfache Stelle. Die Versuchung ist groß, unseren elterlichen Machtmuskel spielen zu lassen.

Doch das macht wahrscheinlich alles nur schlimmer: Einem Alpha-Kind mit Härte und Trennung zu begegnen, feuert die Dynamik nur weiter an.

Stattdessen kannst Du Dich fragen:

Wie geht es mir gerade mit meiner elterlichen Führung? An welchen Stellen braucht es evtl. mehr Wärme, Klarheit oder Orientierung?

Lade ich mein Kind immer wieder bewußt in die Abhängigkeit, in sein "Klein-Sein" ein?

Oder stelle ich zu viele Fragen und überlasse meinem Kind zu viele Entscheidungen? Entscheidungen, mit denen es wahrscheinlich überfordert ist?

Schenke ich meinem Kind immer wieder ein "Nein in Bezogenheit"  oder versuche ich eher die Umstände zu ändern, um Tränen oder einen Wutanfall meines Kindes zu vermeiden?

Vermittle ich meinem Kind unterschwellig, dass es für mich "zu viel" oder "zu schwierig" ist?

Oder hat mein Kind vielleicht begonnen, sich mehr an Gleichaltrige zu binden statt sich an mir zu orientieren?

Es gibt unzählige Gründe, weswegen sich die natürliche Bindungshierarchie umkehren kann und ein Kind in der Alphaposition landet. Schließlich ist die abhängige Rolle auch mit viel mehr Verletzlichkeit verbunden. Eine Verletzlichkeit, die manchmal schlichtweg zu viel ist. Kennen wir das nicht alle? Gerade sehr empfindsame Kinder rutschen übrigens schnell in die Alphaposition.

Und es gibt unzählige Gründe, weswegen es uns als Eltern an der ein oder anderen Stelle schwer fällt, uns ganz an den Platz der elterlichen Führung zu stellen. Wir alle haben unsere guten Gründe dafür, weswegen uns das passiert. Ich mag Dich einladen, an der Stelle milde auf Dich zu blicken. Du bist auf dem Weg. Wir alle sind auf dem Weg.

Wir kommen schließlich nicht als Großeltern zur Welt.

So gewinnst Du Dein Alpha-Kind zurück


Wir alle kennen Kinder, die besserwisserisch und fordernd sind, das letzte Wort haben müssen und uns genau vorschreiben, wie wir für sie zu sorgen haben.
 
  "Alphakinder" nennen wir sie - und dazu gehören übrigens nicht nur fordernde Kinder sondern auch Kinder, die natürlicherweise (zu) viel Verantwortung übernehmen und sich zuständig fühlen an Stellen, an denen im Grunde wir als Erwachsene zuständig sind.
 
 Ein "Alphakind" verdreht die natürliche Bindungshierarchie zwischen Eltern und Kind, indem es instinktiv in die Führungsrolle geht. Statt uns zu folgen, sich von uns nähren zu lassen und bei uns nach Orientierung und Sicherheit zu suchen, gibt das Alphakind den Ton und die Richtung an.
 
 Ein Alphakind ist zumeist chronisch alarmiert und kommt nur schwer zur Ruhe. Wie anstrengend!
 
 Für uns - aber besonders auch für das Kind, das immer am "Arbeiten" ist.
 Womit können wir das Alphakind entlasten?
 
 Hier kommen einige Vorschläge:
 
Binde Dein Alphakind in natürliche hierarchische Beziehungen ein - das kann zum Beispiel der ältere Cousin sein, zu dem Dein Kind aufschaut und bei dem es "klein" wird oder auch die Tante oder der Großvater, dem Dein Kind zuhört und an dem es sich orientiert.
 
 Schaffe immer wieder Situationen und Umstände, in denen sich Dein Kind auf Dich verlassen muß, z.B. während einer Reise in ein fremdes Land oder bei einem Abenteuer-Wochenende in freier Natur.
 
 Nutze Zeiten von Krankheit und Abhängigkeit, um Dein Alphakind bewußt zu umsorgen und einzusammeln.
 
 Gebe den Alphainstinkten Deines Kindes Raum, indem Du ihm immer wieder die Führung bzgl. bestimmter Aufgaben überlässt: Beim Kochen oder Reparieren, beim Kümmern um ein kleineres Kind, einen älteren Menschen, ein krankes Haustier oder  bei bestimmten Entscheidungen. 
 
 Auch im Spiel kann Dein Kind seine Alpha-Instinkte ausleben - als Chef, als Lehrerin, als Feuerwehrmann, als Arzt oder als Tier-Retterin.
 
 Last but not least: Es braucht Deine stabile und warme elterliche Führung!

Elterliche Führung: Die fünf wichtigsten Prinzipien

Es gibt Menschen, in deren Gegenwart entspannen wir uns natürlicherweise. Menschen, die Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen und uns Halt und Orientierung anbieten. Ein warmer Blick, eine tiefe ruhige Stimme und eine Haltung von Zuversicht - hier können wir uns einen Moment lang anlehnen und zur Ruhe kommen.
 
Es ist wunderbar, wenn wir als Erwachsene auch diese "Landeplätze" in unserem Leben haben, wenn auch wir eingebettet sind in etwas, das "größer" ist als wir - so dass wir auftanken können und von dem Platz aus gestärkt zurück gehen können in die Beziehung mit unseren Kindern. Denn: Das Große hält das Kleine - überall ist es so, in der Tierwelt, in der Pflanzenwelt, sogar im Kosmos.
 
 Wie werden wir also zu dem "Großen" für unsere Kinder? Welche Prinzipien gilt es zu beachten?
 

  • Eine Haltung von Zuversicht und Souveränität. Heißt: "Ich weiß Bescheid", "ich kümmere mich", "mach' Dir keine Sorgen, wir werden hier gut durchkommen", "Ich bin an Deiner Seite", "Du kannst Dich auf mich verlassen". Nicht, dass wir uns immer so selbstsicher und zuversichtlich fühlen...Aber das ist es, was wir vermitteln. Im Zweifel mit ein bißchen Blöff...

 

  •  Die Fähigkeit, unsere Gefühle und Bedürfnisse weitestgehend in unserem Innenraum zu belassen. Das ist ein feiner Tanz, denn natürlich sind wir auch immer wieder bewegt von unseren eigenen Emotionen. Doch wenn es darum geht, das "Große" für unserer Kinder zu sein, macht es Sinn, unsere eigenen Bedürftigkeiten weniger explizit zu machen. Sonst geht der Effekt flöten ;-) (...und Dein Kind fühlt sich möglicherweise veranlasst, Verantwortung für Dich zu übernehmen)

 

  • Wir sind großzügig und proaktiv in dem, was wir anbieten: Nahrung und Nähe, Orientierung, Halt, Verständnis, Trost und natürlich Interesse für die Welt des Kindes! Hier gilt das Prinzip "Festmahl": Wir bieten mehr an als nachgefragt wird. Schließlich wollen wir ja nicht, dass die Gäste hungrig nach Hause gehen.

 

  •  Das Schlüsselprinzip schlechthin ist: Wir kennen, verstehen und sehen unser Kind. Wir wissen, womit wir die Augen unseres Kindes zum Leuchten bringen, womit wir es überraschen können und es eingesammelt bekommen. Wir sind die Expertinnen und Experten für unsere Kinder!

 

  • Und wir überbrücken Zeiten, in denen es nicht rund läuft: Zeiten, in denen sich das Kind "daneben benimmt". Zeiten, in denen sich die Eltern-Kind-Beziehung wackelig anfühlt. Zeiten, in denen wir angegriffen sind - sei es weil wir krank sind oder einfach gerade nicht so präsent sein können, wie wir es gerne wären. Davon geht die Welt nicht unter. All das rüttelt nicht an den Grundfesten der Beziehung: Die Beziehung ist viel größer als diese Probleme. Größer als alle Fehltritte, größer als menschliche Schwächen, größer als ein zeitweiliges Wackeln in der Beziehung.

 
Bei all dem Gesagten vergiss' bitte nicht: Es braucht Zeit, um in seine ureigene Weise des "Großen" hineinzuwachsen. Es ist ein Entwicklungsprozess, für den es nicht den EINEN Weg gibt. Also erwarte nicht zu viel von Dir! Lass' Dich einfach leiten von Deiner Sehnsucht, das "Große" im Leben Deines Kindes zu sein. Der Platz, an dem Dein Kind klein sein kann, sich anlehnen kann, der Platz, an dem es zur Ruhe kommen kann.
 
Hier gibt's noch 'nen Filmptipp: "Gilly Hopkins - Eine wie keine". Vielleicht entdeckst Du die Prinzipien von elterlicher Führung in Gillys Pflegemutter Maime Trotter - die Zuversicht, die Großzügigkeit der Einladung, die Einsicht und das Überbrücken von Fehlverhalten (und da gibt es viiiiel zu überbrücken). 

Elterliche Führung: 5 häufige Fehler und wie Du sie vermeidest


Glaub' mir, ich wußte zu Beginn meiner Elternschaft mit dem Begriff "elterliche Führung" gar nichts anzufangen - geschweige denn, dass es einen innerlichen Bezug dazu gab oder gar eine innere Landkarte, auf die ich zurückgreifen konnte. Ich steuerte komplett durch den Nebel - solange bis es nicht mehr ging: Die Schwierigkeiten waren zu groß geworden, der Schmerz zu stechend und die Sehnsucht etwas anders zu machen, zu drängend.

So begab ich mich auf die Reise, durchlief 2015 das erste TransParents-Jahrestraining und begann kurz darauf mit meinem Studium der Entwicklungspsychologie und Bindungsforschung.

Diese Reise führte dazu, dass ich schlußendlich in meine ureigene Weise von elterlicher Führung hereingewachsen bin und weitestgehend stabil darin stehe (zwischenzeitliches Wackeln in schwierigen Zeiten inklusive...).

Bevor ich mich auf diese Reise gemacht habe, bin ich immer wieder über folgende 5 Fehler gestolpert - Fehler, die Du auf mehr oder weniger einfache Weise vermeiden kannst: 

  • Du stellst zu viele Fragen. Du willst nicht über Dein Kind bestimmen und es in Entscheidungen mit einbeziehen? Fein, aber übertreib es nicht - vor allem nicht, wenn es um Versorgung, Nähe und Kontakt geht. Stell Dir einmal vor, Du bist als Besucher in einem fremden Land und vertraust Dich einer Fremdenführerin an. Was brauchst Du, um Dich sicher und gut umsorgt zu fühlen? Wo beginnst Du Dich zu entspannen in diesem fremden Umfeld? Bei einer Fremdenführerin, die es Dir unbedingt recht machen will und Dir immer wieder verschiedene Auswahlmöglichkeiten an die Hand gibt oder bei einer Fremdenführerin, die Dir klar und freundlich sagt: "Schauen Sie, dies möchte ich Ihnen gerne zeigen - das ist der Plan für heute."


  • Du erklärst zu viel. Vor allem bei kleineren Kindern machen Erklärungen nicht so viel Sinn. Ihre Lebenswelt ist viel weniger rational gesteuert als wir üblicherweise annehmen. Was viel stärker wirkt, ist Deine Haltung: Deine klare Präsenz und warme Bestimmtheit - und dafür braucht es nicht viele Worte. Wenn Du eine Entscheidung triffst, die Deinem Kind nicht gefällt, dann erwarte, dass es frustriert ist und begleite es in seiner Frustration - aber bleibe bei Deiner Entscheidung.


  • Du fängst an zu wackeln, wenn die von Dir getroffene Entscheidung Deinem Kind nicht gefällt. Vielleicht hast Du Angst vor der Reaktion und dem Widerstand Deines Kindes oder Du hast Angst, dass sich Dein Kind von Dir abwendet, wenn Du ihm diese Erfahrung (von Vergeblichkeit) zumutest. An der Stelle tut es gut, sich daran zu erinnern, dass das Leben bekanntermaßen voller Frustrationen ist und wir unsere Kinder nur dann angemessen auf das Leben vorbereiten, wenn wir ihnen immer wieder ein Nein in Bezogenheit SCHENKEN. Wohlgemerkt - ein Nein in Bezogenheit, d.h. wir begleiten das Kind durch seine Frustration hindurch. Im besten Fall bis hin zu seinen Tränen...


  • Du sprichst zu viel über Deine Bedürfnisse und Schwächen. Du vermittelst Deinem Kind, dass es zu schwierig ist für Dich, dass Du eine Auszeit von ihm brauchst und Du am Ende mit Deinem Latein bist...Auch wenn dem so sein sollte - und klar, kommen wir immer mal wieder an diese Stellen - bitte behalte es für Dich und suche Dir einen Raum dafür, in dem Deine Unsicherheit und Frustration Platz hat und Du Unterstützung bekommst. Aber vermittle Deinem Kind, dass Du natürlich weißt, wie Ihr hier durchkommt und es immer einen Weg gibt - auch wenn es zuweilen schwierig ist.


  • Du verstehst Dein Kind zu wenig. Dein Kind ist Dir ein Rätsel und Du weißt nicht, mit welchem Pflänzchen Du es hier zu tun hast und welche Bedingungen es braucht, um sich gut zu entwickeln? Genau wie in der Arbeitswelt gilt auch beim Elternsein: Ein guter Chef kennt und "liest" seine Mitarbeiter - er oder sie weiß genau, welches Projekt für wen geeignet ist, wo die Stärken der einzelnen Mitarbeiter liegen und was wem zuzumuten ist. Es lohnt sich also, genauer hinzuschauen, um Verständnis und Einsicht in Dein Kind und sein Verhalten zu gewinnen (hierbei unterstütze ich Dich im Elterncoaching ;-) 


Hand aufs Herz: An welchen Stellen erkennst Du Dich wieder?
Welche Infos wünschst Du Dir für kommende Blogposts, damit Du Dich an den wackeligen Stellen sicherer fühlst? Schreib mir gerne dazu! 

Wenn der Bindungsfaden reißt: Was Trennung mit deinem Kind macht


Du weißt es mittlerweile bestimmt schon: Trennung ist für uns Bindungswesen die größte Bedrohung. So sind wir nunmal gestrickt 😉
 
 Aber wenn Du jetzt bei Trennung nur an phyische Trennung denkst - an das "nicht-zusammensein-mit" - dann lies bitte weiter!
 
 Es gibt nämlich viele weitere Erfahrungen, die sich für Dein Kind wie Trennung anfühlen, auch wenn Du sie vielleicht nicht auf den ersten Blick als solche erkennst.
 
 Wie wär's damit: 

  • Anders als andere sein: Weil Dein Kind sehr schüchtern ist. Weil es sooo viele Wutanfälle bekommt wie kein anderer aus der Familie. Weil es ein Pflegekind ist. Oder weil Dein Kind eine andere Hautfarbe hat als die allermeisten Kinder in der Klasse. 


  • Aber auch: Nicht dazugehören. Nicht wichtig sein. Sich nicht geliebt fühlen. Nicht verstanden werden...


  • Trennung steckt auch in verbreiteten Disziplinierungsmaßnahmen: Time Outs, Schweigebehandlungen und Liebesentzug. Auch beliebt: Das Lieblingsspielzeug des Kindes wegnehmen.


  • Und natürlich gibt's die klassischen physischen Trennungen wie die Schlafenszeit. Die Zeit in Kindergarten und Schule. Oder auch der Wechsel zwischen zwei Elternhäusern, wenn die Eltern nicht zusammen leben.


All diese Erfahrungen sind schmerzlich und - ja - sie haben alle mit einem Erleben von Trennung zu tun. Und das macht Alarm und Frustration. Und verstärkt das Nähestreben: Dein Kind wird zu einem Klammeräffchen.
 
Kommt Dir davon etwas bekannt vor? Achte mal in der nächsten Zeit darauf, wo diese Erfahrungen von Trennung Dir in DEINEM Leben begegnen. Wo fühlst Du Dich anders? Nicht zugehörig? Nicht wertgeschätzt und verstanden? Und was löst das in Dir aus?
 
 Dann schau, ob Du dies im Leben Deines Kindes entdeckst.
 
Und natürlich gibt es auch die großen Trennungen - wenn Elternpaare auseinander gehen.
Darum geht's in meinen Elternkursen.
 
P.S.: Mehr zum Thema Trennung findest Du auch in meinem Interview mit der kanadischen Elternberaterin Jule Epp

Wie Du in einfachen Schritten Trennungssituationen überbrückst

Rund um das Thema Trennung gibt es EIN einfaches Grundprinzip, das Du in jedem Fall draufhaben solltest: Du legst den Fokus niemals auf die Trennung - sondern immer auf den nächsten Verbindungspunkt.
 
In der Sprache ist es drin – auf Wiedersehen, au revoir, ci vediamo...
  
Heißt: Wenn Du Dich am Morgen von Deinem Kind verabschiedest, betonst Du was Ihr beim Wiedersehen gemeinsam Schönes tun werdet. Ein Eis essen, ein Lieblingsbuch lesen, eine Runde Kuscheln, eine Verabredung mit Freunden.
  
Wenn Dein Kind noch sehr klein ist und die Zeit bis zum Wiedersehen lang, bietest Du Verbindungspunkte für zwischendurch an: 

  • „Wenn Du in der Kita zu Mittag ißt, denke ich ganz fest an Dich!". 
  • Oder Du gibst Deinem Kind einen Edelstein voller Mama-und-Papa-Liebe für seine Hosentasche mit. 
  • Oder ein kleines Armbändchen, das Dein Kind den Kindergartenmorgen an Dich erinnert. 
  • Oder Ihr kleidet Euch an einem Morgen mit viel Trennungsschmerz in den gleichen Farben. 
  • Oder das Essen in der Brotbox ist in Herzform geschnitten.


So hilfst Du Deinem Kind an Dir festzuhalten. So hilfst Du Deinem Kind im Umgang mit all den unvermeidbaren Trennungserfahrungen, von denen unser Menschsein schließlich geprägt ist.
  
Auch wenn Ihr gerade physisch getrennt seid, bleibt Ihr doch mit unsichtbaren Fäden immer verbunden (Kennst Du schon das Buch „The invisible string" von Patrice Karst? Ein Bestseller-Kinderbuch zum Thema)
  
Genauso machst Du es übrigens auch, wenn es ums Schlafengehen geht: Du richtest die Aufmerksamkeit auf die Verbindung statt auf die Trennung.
 
Zum Beispiel so: 

  • Du stellst ein Foto der Familie ans Bett Deines Kindes („wir sind alle bei Dir")
  • Du legst ein Bilderbuch unters Kopfkissen Deines Kindes. Ein Buch, das Ihr am nächsten Morgen gemeinsam anschauen könnt
  • Du lädst das Kopfkissen Deines Kindes mit Deinen Küssen und Deiner Liebe auf
  • Du versicherst Deinem Kind, dass Ihr Euch bestimmt in Euren Träumen begegnen werdet
  • Du schaust immer wieder nach Deinem Kind und legst jedes Mal ein kleines Herz an sein Bett. Am Morgen findet Dein Kind dann ganz viele Herzen von Dir...


Und klar – je unreifer und abhängiger Dein Kind ist, desto schwerer kann es Trennung ertragen. Da braucht es an manchen Stellen einfach viel Geduld und das Vertrauen in die Entwicklung Deines Kindes hinein in mehr Eigenständigkeit. 

Aber glaub mir, spätestens wenn Dein Kind ein Teenie ist, wirst Du Dich über seine Sehnsucht nach Kontakt und Nähe mit Dir freuen!
  
Bindung und Trennung – sie sind wie zwei Seiten einer Münze.
  
Wie heißt es so schön in Maurice Sendaks "Wo die wilden Kerle wohnen"? 
„Und Max, der König aller wilden Kerle, war einsam und wollte dort sein, wo ihn jemand am allerliebsten hatte."
  
Wollen wir das nicht alle?
  
Das wünsche ich Dir und Deinem Kind jedenfalls – dass Ihr immer wieder da sein könnt, wo Euch jemand am allerliebsten hat! Und falls das nicht möglich sein sollte: Du weißt schon, Hauptsache, Du beherrscht die Kunst des Überbrückens...

Von Monstern und andern Ungeheuern: Umgang mit Ängsten

Ich bin immer wieder von neuem ehrfürchtig, wie genial wir als Menschen doch gestrickt sind.
 
Ausgestattet mit so vielem was uns überleben lässt.
 
Einem feinen Alarmsystem zum Beispiel, das uns vor Gefahren warnt und uns vorsichtig werden lässt.
 
Übrigens - Angst gehört zu den ältesten menschlichen Emotionen. Und das aus gutem Grund.
 
Eine DER Hauptquellen für Alarm für uns Bindungswesen ist (Du ahnst es schon...) Trennung
 
Das gilt für kleine Menschlein in besonderem Maße ;-)
 
Trennung kann in dem Zusammenhang auch einfach heißen: Ein Lebensabschnitt geht zu Ende. Dein Kind wird größer und eigenständiger. Dein Kind checkt auf einmal ganz viele Sachen, von denen es zuvor keine Ahnung hatte. Einfach weil sein Bewußtsein jetzt ein anderes ist.
 
Oder die Schule beginnt. Bald kommt ein kleines Geschwisterchen zur Welt. Es gibt einen Umzug. Papa ist verreist.
 
All dies kann dazu führen, dass Dein Kind alarmiert ist. Ohne es zu merken.
 
Wenn Du Dich im Leben Deines Kindes einmal umschaust, findest Du wahrscheinlich die Quellen des Alarms.
 
Doch: Alarm ist manchmal gar nicht so leicht erkennbar.
 
Er versteckt sich hinter: 

  • forderndem Verhalten


  • verstärktem Nähestreben


  • geringer Frustrationstoleranz


  • Nägelkauen, nervösem Wippen, Bauchweh und ähnlichem


  • und je nach Alter: Monstern und Ungeheuern unterm Bett.


Unter all dem steckt möglicherweise ALARM.
 
Dein Job ist es, das Verhalten Deines Kindes tiefer zu durchschauen.
 
Und zu erkennen: „Ah – da ist gerade richtig viel Alarm im System..."
 
Vielleicht merkst Du an der Stelle, dass das den Blick auf Dein Kind ändert.
 
Dass es Deinen Blick weicher macht. Dass es Dir dabei hilft, an der Seite Deines Kindes zu bleiben statt auf der Verhaltensebene kleben zu bleiben.
 
Und dann: Kannst Du Deinem Kind beistehen.  
 
Indem Du 

  • Deinem Kind vermittelst, dass es gerade alarmiert ist. Und dass Alarm normal ist und zu uns Menschen gehört


  • Du ihm erzählst, was Dich als Kind alarmiert hat und wie Du damit umgegangen bist


  • bei Veränderungen betonst was gleich bleibt


  • Deinem Kind versicherst, dass Du an seiner Seite bist und dass es auf Dich zählen kann.


Zu guter Letzt: Dein Kind so alarmiert zu erleben facht vielleicht Deinen eigenen Alarm an.
 
Schau, dass Du ihn nicht in den Beziehungsraum mit Deinem Kind trägst.
 
Such Dir stattdessen Räume für Dich, in denen Du damit gehalten bist und Dein Alarm sich verwandeln kann. Im besten Fall löst er sich in Tränen...

Wenn Dein Kind für Bindung arbeitet: 5 Tipps um Dein Kind zu entlasten...

Dieses Thema geht mir ans Herz: Wenn ein Kind für Bindung arbeitet.
 
Ein Kind spürt genau, wie es sein muß, um die Beziehung zu seinen Hauptbindungspersonen stabil zu halten. Und damit sein Bedürfnis nach Nähe, Schutz und Geborgenheit erfüllt zu bekommen.
 
Wenn sich - aus welchen Gründen auch immer - die Hauptbeziehungen eines Kindes gerade wackelig anfühlen und zu viel Trennung im Raum steht, beginnt das Kind, für Bindung zu arbeiten.
 
Denn: Bindung bedeutet für ein Kind Überleben. Und natürlich wächst die Fähigkeit, mit Trennung umzugehen mit dem Alter und der Reifeentwicklung Deines Kindes.
 
Wenn ein Kind für Bindung arbeitet kann das so aussehen - 
 je nach Bindungseinladung des Gegenübers: 

  • es macht sich leicht und unkompliziert,
  • es macht sich übertrieben süß, lieb und folgsam,
  • es ist selten wütend,
  • es macht sich kleiner als es ist,
  • oder auch: es macht sich erwachsener als es ist,
  • es ist auffallend tapfer und leistungsstark.


Die schlechte Nachricht ist: Ein Kind, das für Bindung arbeitet, bleibt unsicher, rastlos und bindungshungrig.
 
Was kannst Du also tun, um Dein Kind von seiner Bindungsarbeit zu entlasten?
 
Du weißt es bereits: Im Zweifel geht's immer wieder zurück zu den Basics.
 
Beziehung stärken. Trennung reduzieren.
 
Also: 

  • Du vermittelst Deinem Kind, dass Du immer an seiner Seite bist - komme was wolle
  • Du lädst Dein Kind großzügig dazu ein, bei Dir zu sein (auch mit seinen schwierigen Seiten...)
  • Du bietest Deinem Kind dadurch eine Art Bindungshängematte an, in der sich Dein Kind aufgehoben fühlt
  • Du vermittelst Regeln und Grenzen in Verbundenheit und siehst von trennungsbasierten Disziplinierungsmaßnahmen ab (dazu ein andern Mal mehr...)
  • Du reparierst Bindungsabbrüche - z.B. nach Konflikten oder wenn Du selbst einmal deine Mäßigung verloren hast...


P.S.: Bitte nimm obige Liste (zum Kind das für Bindung arbeitet) als Inspiration. Bei all dem ist es immer wichtig, genau hinzuschauen! Hinzuschauen, was wirklich hinter dem Verhalten deines Kindes steht (dabei unterstütze ich Dich gerne...)

Damit ringen die allermeisten Eltern: Kindliche Wutausbrüche

Es gibt diese verflixten Tage, an denen im Leben Deines Kindes alles schief läuft. Das Frühstück schmeckt nicht, der Freund hat keine Zeit zum Spielen, das Lieblingsspielzeug geht kaputt...
 
Und dann: Ein NEIN von Dir. Dein Kind fängt an zu toben.
 
Von jetzt auf gleich hast Du einen schäumenden Vulkan vor Dir.
 
Dein Kind brüllt. Schreit. Kreischt. Kratzt. Tritt. Haut. Spuckt.
 
Oder es kommen die wüstesten Schimpfworte aus dem Mund Deines Kindes. Das ganze Alphabet durch - mit dem beliebtesten Buchstaben ganz zu Anfang ;-)
 
So ein Vulkanausbruch kann von 5 Minuten bis zu einer Stunde (oder länger) dauern.
 
Und mündet im besten Fall hin zu den Tränen. Von SAUER NACH TRAUER.
 
Aber der Weg dorthin....Herrje! Ein Härtetest für uns Eltern!
 
Was kann Dir helfen, Dein Kind durch diesen emotionalen Sturm zu begleiten, ohne dass es Dich selbst dabei wegspült?
 
Was liegt dem überhaupt zugrunde?
 
Die Wahrheit ist: Wie auch immer der Vulkanausbruch Deines Kindes ausschaut - darunter liegt immer die eine Uremotion - nämlich Frustration.
 
Frustration ist eine der drei Kernemotionen von uns Menschen - übrigens von allen Säugetieren.
 
Frustration heißt:  ETWAS FUNKTIONIERT NICHT im Leben Deines Kindes.

Zum Beispiel - Dein Kind wurde in der Schule von seinen Mitschülern geärgert, die Kita-Erzieherin war ungerecht oder die beste Freundin kann doch nicht ins Schwimmbad mitkommen. Und und und...
 
Wenn Du Dich im Leben Deines Kindes umschaust, wirst Du erkennen, dass es voller Vergeblichkeiten und potentieller Frustrationen ist.  
 
Zwei Schlüssel für den Umgang mit einem Wutausbruch Deines Kindes hältst Du damit schon in der Hand:

  • Du konzentrierst Dich auf die Emotion, die unter dem Wutausbruch liegt. Frustration. Chaotisch wie alle Emotionen. 
  • Du fragst Dich: Was war vor dem Wutausbruch? Was heizt die Frustration Deines Kindes gerade an? 


Ein dritter Schlüssel ist: Du normalisierst die Frustration.
 
Frustration gehört zu uns Menschen. Wenn etwas in unserem Leben nicht funktioniert, ist das megafrustrierend. Das geht uns allen so.
 
Vielleicht fallen Dir Situationen ein, die Dich als Kind frustriert und wütend gemacht haben. Und wie Du damit umgegangen bist. Dein Kind wird es lieben, wenn Du ihm davon erzählst. Es wird ihm vermitteln, dass es nicht alleine auf der Welt ist mit seinen intensiven Gefühlen. Dass es einer oder eine von uns ist.
 
Damit ist auch klar: Ein frustriertes und wütendes Kind ist kein Kind mit schlechten Charakterzügen. Es ist auch kein unerzogenes Kind. Es ist auch kein Kind, mit dem Du in der Pubertät nicht mehr zurechtkommen wirst (nur für den Fall, dass Du diese Gedanken auch kennst...)
 
Es ist schlichtweg ein Kind mit intensiven Emotionen, das noch nicht gelernt hat, diese zu mäßigen. Ein Kind, das uns als Eltern an seiner Seite braucht, um mit seinen intensiven Emotionen angemessen umzugehen.
 
Und nur zur Erinnerung: Es liegt auch nicht daran, dass Du eine schlechte Mutter oder ein schlechter Vater bist. Oder zu viel Traumagepäck in Deinem Rucksack hast.
 
Wir haben alle unsere Stellen, an denen wir uns noch entwickeln dürfen.
 
Und es braucht Dich im Hier und Jetzt an der Seite Deines Kindes. 

Genauso wie Du jetzt gerade bist, kannst Du die Antwort für Dein Kind sein!

Wenn die Wut hochkocht - ein persönliches Beispiel

Meine Nichte ist 4 ½ - ein bezauberndes und hochsensitives Kind, das die Welt besonders intensiv wahrnimmt.
 
Ihre Wut kocht entsprechend leicht hoch.

Sie ist sofort von 0 auf 100: Sei es durch einen Streit mit ihrer großen Schwester oder etwas, das nicht nach ihrem Willen geht.
 
Dann schreit sie - schrill und hoch oder haut und kneift.
 
Ziemlich intensiv für alle Beteiligten ;-)
 
Das ist, was ich mit ihr ausprobiert habe: Statt zu sagen „Hör auf, deine große Schwester zu kneifen!“ habe ich ihr Verständnis entgegengebracht, ihre Frustration benannt und normalisiert: „Ich versteh dich so gut, Schwestern sind manchmal sooo nervig!“ und „das ist gerade so frustrierend für dich!“.
 
Und - ich habe ihr erlaubt, ihre Frustration für einen Moment ungebremst auszudrücken – mit mir! „Komm‘ her - hau hier drauf! Kneif mich! Ganz dolle! Noch doller!“
 
Und? Sie hat es geliebt!!! Und die Wutwelle ist innerhalb kürzester Zeit verebbt.
 
Ein anderes Mal – als viele Schimpfwörter aus ihrem Mund kamen, haben wir spontan ein Schimpfwörterspiel gestartet: „Wer findet die wüstesten Schimpfwörter?“
 
Worum geht’s bei den Beispielen im Kern?
 
Darum, dass die Frustration rauskommt:  Egal ob physisch oder verbal – der Weg ist immer von innen nach außen.
 
Und dein Job ist es, deinem Kind Ventile dafür an die Hand zu geben.
 
Ventile, die für dein Kind passen. Ventile, bei denen niemand zu Schaden kommt.
 
Klar ist: Ich empfehle dir nicht, deinen 14jährigen Sohn dazu einzuladen, dich zu schlagen. Und ich bin auch nicht masochistisch veranlagt 😉 es war nur für mich in dem Moment die spontanste Möglichkeit, meine kleine Nichte dazu einzuladen, ihre Frustration auszudrücken.
 
Beim nächsten Wutausbruch würde ich den Kinderboxsack, die Schwimmnudel oder ein anderes Spielventil bereithalten.
 
Beim Ausdrücken von Frustration wirkt Spiel nämlich Wunder.
 
Super sind: Alle Bewegungsspiele, um den Block rennen, wild tanzen, alle Ballsportarten von Basketball bis Squash, Dartspiele, Boxsack, Luftballons kicken, Schwimmnudelkämpfe, alle Bauspiele vom Jengaturm über Kapla bis hin zum Baumhaus, Musik von Trompete bis Trommel, paddeln, Gartenarbeit, Abenteuerspielplatz oder regelmäßige Bauernhofwochenenden mit Stallarbeit.
 
Schau welches Spiel für DEIN Kind passt und biete es deinem Kind regelmäßig an.

Diese Fragen solltest du dir stellen: Sieben Fragen für mehr Verbindung 

In diesem Blogpost verrate ich dir sieben Fragen, die ich in der Elternberatung häufig stelle.

Fragen, an denen du nicht vorbeikommst, wenn du dein Kind besser verstehen und unterstützen willst.

Diese Fragen sind immer wichtig.

Ganz besonders aber, wenn dein Kind viel mit Wutanfällen zu tun hat.

Denn: Die Fragen, die du stellst prägen den Blick auf dein Kind. Und der wiederum bestimmt dein Verhalten

Achte mal drauf: Es gibt Fragen, die dein weiches Herz und dein Mitgefühl stärken. Fragen, die dich zu mehr Einsicht und Verbindung mit dir selbst und deinem Kind bringen.

Das fühlt sich meistens ziemlich gut an!

Es gibt aber auch Fragen, die dich eher eng machen.

Fragen, die trennen statt zu verbinden.

Fragen, die dich wegtragen vom Hier und Jetzt.

Wie zum Beispiel: Wieso kann sie sich nicht einfach benehmen? Wie soll das erst werden wenn er in der Pubertät ist? Was hab ich nur falsch gemacht?

Hier kommen sieben Fragen, die hilfreicher sind: 

  • Was war vor dem Wutausbruch? Wie war der bisherige Tag? Ist etwas passiert, das mein Kind frustriert oder alarmiert?

 

  • Was im Leben meines Kindes ist gerade zu viel für mein Kind? An welchen Stellen ist weniger mehr?

 

  • Wo ist mein Kind vielleicht mit zu viel Trennung konfrontiert? Was trägt dazu bei, dass seine Frustration anwächst? 

 

  • Wie kann ich mein Kind dabei unterstützen, seine Frustration regelmäßig auszudrücken? Welche Ausdrucksformen ziehen mein Kind natürlicherweise an? 

 

  • Was hilft meinem Kind, weicher zu werden? Welche Bedingungen tragen dazu bei? 


  • Wann schmiegt sich mein Kind an oder kommt kuscheln? Wann öffnet es sich und erzählt von dem, was es gerade in seinem Leben beschäftigt?  

 

  • Was braucht es, damit mein Kind zu seinen Tränen findet? 


Um die Tränen gehts im nächsten Blogpost.  

Die sind nämlich ein Schlüssel dafür, dass dein Kind lernt mit Dingen zurechtzukommen, die sich nunmal nicht ändern lassen.

Ein Schlüssel dafür, dass dein Kind resilienter wird.
 
Aber jetzt erstmal viel Freude beim Fragenstellen!

Hier geht's lang: Drei Auswege aus der Frustration

Anfang März bin ich mit Kind und Hund zu einem Roadtrip gestartet: Knapp 3000 Kilometer von Berlin zur andalusischen Mittelmeerküste. Mit Zwischenstopps in verträumten südfranzösischen Ortschaften und in rauhen Bergdörfern Nordspaniens, die eines gemeinsam hatten: Unendlich viele Verkehrskreisel.
 
Der Verkehrskreisel ist die perfekte Analogie für die verschiedenen Auswege von Frustration.
 
Stell dir vor: Etwas im Leben deines Kindes funktioniert nicht so wie gewünscht – der beste Freund hat keine Zeit zum Spielen, Papa kauft kein zweites Eis, beim Legoset fehlen die drei wichtigsten Bausteine.
 
Und schwupps – Frustration kommt in den Verkehrskreisel!
 
In den allermeisten Fällen wird dein Kind sogleich versuchen, die frustriende Situation zu verändern. Oder doch noch zum Funktionieren zu bringen. Oder es wird versuchen, dich umzustimmen: „Bitte Papa – nur noch ein Eis…bitte!“
 
Die erste Ausfahrt des Verkehrskreisels ist also – richtig! – VERÄNDERUNG.
 
Wenn die allerdings gesperrt ist – weil die Dinge sich nunmal nicht ändern lassen: Der Freund hat eben keine Zeit, du bleibst bei deinem Nein, die Legosteine lassen sich partout nicht auffinden….Dann wird‘s spannend!
 
Dann kommen wir nämlich zur nächsten Ausfahrt – die da heißt: ADAPTION.
 
Und falls du jetzt denkst: „Ähm – bitte was?“
 
…mit Adaption ist gemeint, dass dein Kind lernt, sich anzupassen an das, was sich nunmal nicht ändern lässt.  Dass es lernt, damit zurechtzukommen. Dass sein Gehirn checkt „ah – ich überlebe – auch ohne zweites Eis!“ ;-)
 
Diese Ausfahrt hat’s in sich, denn Adaption ist DIE Antwort auf Dinge, die sich nicht ändern lassen.
 
Adaption ist ein tief emotionaler Transformationsprozess. Der nicht jedem Kind immer so leicht gelingt.
 
Denn: Hier geht’s ums Loslassen. Um Enttäuschung und Traurigkeit - etwas sehr Verletzliches! Und dafür braucht es ein weiches Herz. Und ganz viel Sicherheit und Vertrauen.
 
Luxus sozusagen, der manchmal schlichtweg nicht zur Verfügung steht. Manchmal sind die Gefühle auch einfach zu groß, um gespürt zu werden. Manchmal kennt ein Kind gar kein NEIN in seinem Leben…
 
Und schwupps – sind schon zwei Ausfahrten versperrt: VERÄNDERUNG und ADAPTION.
 
Bleibt nur noch eine Ausfahrt übrig – nämlich ANGRIFF!
 
Dein Kind beißt, schlägt, tritt, schreit, beschimpft dich. Falls du das kennst, ist mein brandneuer Elternfahrplan „Wenn dein Kind wütend ist“ was für dich. Freu dich drauf! 
 
Übrigens: Der Verkehrskreisel ist nicht nur für den Blick auf dein Kind genial. Ganz einfach kannst du ihn auch auf dich selbst anwenden…

Herzenssachen: Warum Fühlen Dein Kind stärkt

Mancher Sturm im Leben eines jungen Kindes fordert uns als Eltern ganz schön heraus: Gefühle bei Kindern unter 7 sind oftmals groß, pur und ungebändigt. So gilt die Vorschulzeit zu recht als die „gewalttätigste Zeit“ im Leben eines Kindes. Denn erst mit zunehmender Reife und Gehirnentwicklung kann ein Kind sich emotional mäßigen. Völlig unvermittelt haben wir zuweilen einen kleinen tobenden Feuerball vor uns, der für uns schwer zu bändigen scheint und uns an den Rand der eigenen nervlichen Belastbarkeit bringt. Oder ein Kind voller Angst und Alarm angesichts von bevorstehender Trennung - beispielsweise beim abendlichen Schlafengehen. Auch die Traurigkeit unseres eigenen Kindes auszuhalten und zu begleiten kann ganz schön herausfordernd sein - je nachdem auch wie es uns mit unserer eigenen Emotionalität geht.

So liegt es manchmal nahe, unserem Kind zu vermitteln: „Du brauchst keine Angst zu haben!“ oder auch „hör doch endlich auf zu weinen“ oder wohlmeinende Aufforderungen, das Kind solle sich doch endlich beruhigen. Eines der größten Geschenke, die wir unseren Kindern machen können, ist jedoch, ihnen zu vermitteln dass ihre Gefühlsstürme da sein dürfen und ja - dass sie zu uns Menschen und zur menschlichen Natur gehören. Es ist normal, frustriert zu sein angesichts von etwas was nicht funktioniert. Alarmiert zu sein angesichts von Trennung. Traurig zu sein angesichts von Verlust und Enttäuschung. Unsere Emotionalität verbindet uns übrigens auch mit den Säugetieren, bei denen es ebenfalls Frustration, Alarm, Traurigkeit und Schmerz gibt.

Alle unsere Emotionen haben eine Aufgabe, sie sind für uns da: Sie sollen uns zu etwas bewegen, sie wollen gefühlt und ausgedrückt werden. Alarm beispielsweise ist dazu da, uns zur Vorsicht zu bewegen. Frustration will uns dazu bewegen, etwas zu verändern was so für uns nicht funktioniert hat. Und Traurigkeit soll uns dabei helfen, zu unseren Tränen zu finden angesichts von Enttäuschung und Verlust. Und nicht zuletzt, uns erfinderisch und widerstandsfähig zu machen im Umgang mit den unvermeidlichen Windungen und Herausforderungen des Lebens.

Emotionen sind ihrer Natur nach vergleichbar mit elektrischer Ladung, die nach Entladung strebt: Wie ein Blitz in einem Sommergewitter strebt die angestaute Frustration eines Kindes nach Entladung. Wir sind gut beraten, dem Kind bei diesem Entladungsprozess zur Seite zu stehen statt es dazu zu drängen, die Ladung zu unterdrücken (genausowenig würdest du dein Kind dazu drängen wollen, seine natürlichen Verdauungsprozesse zu unterdrücken, oder?).

Gleichzeitig gibt es selbstverständlich Orte und Situationen, die besser zum Entladen starker Emotionen geeignet sind als vor versammeltem Publikum an der Supermarktkasse. Haben wir einen Einfluß auf den Kontext für eine emotionale Entladung, so ist es ratsam diesen weise auszuwählen - also eher einen geschützten Raum dafür zu wählen. Besonders auch nach Zeiten der Trennung, in denen das Kind im Kindergarten oder in der Schule war und seinen Emotionen keinen freien Lauf lassen konnte, müssen wir diese emotionalen Entladungen vorhersehen und sichere Räume dafür schaffen. 

In jedem Fall müssen wir jedoch der Fels in der Brandung für unsere Kinder sein - gerade bei hohem Wellengang und in stürmischen Zeiten. Es ist wichtig, dass wir als Eltern alle Emotionen des Kindes einladen und nicht nur die sogenannten „positiven“ Emotionen, d.h. wir muten es unserem Kind zu und trauen es ihm auch zu, z.B. Enttäuschung zu fühlen. Dabei bleiben wir an der Seite des Kindes und halten das Kind in seiner Trauer und Enttäuschung, bis irgendwann die Tränen zu fliessen beginnen. Diese Tränen sind kostbar - mit ihnen werden übrigens unzählige Giftstoffe aus dem Körper geschwemmt. Zentral sind die Tränen jedoch vor allen Dingen weil das kindliche Gehirn damit eine wichtige Erfahrung macht  - nämlich: „Etwas hat nicht so funktioniert wie ich wollte UND ich habe es überlebt…“ - daraus erwächst Frustrationstoleranz, Widerstandskraft und Erfindungsreichtum angesichts von Widrigkeiten. 

Für uns als Eltern kann es an der Stelle sehr hilfreich sein, unser Kind und dessen Körpersprache in Hinblick auf seine Emotionalität lesen zu lernen und uns damit vertraut zu machen. Wie drückt sich unser Kind aus mit seiner Freude, seiner Frustration, Alarm, Traurigkeit, Enttäuschung und seinem Schmerz? Darauf basierend können wir als Eltern unsere Kinder dann dabei unterstützen, Worte für Emotionen zu finden. Worte können hilfreich sein, um mit etwas in Beziehung zu gehen und Emotionen zu normalisieren und als etwas Natürliches zu beschreiben: „Wie traurig, dass der Lego-Turm eingebrochen ist…“ - „Ah - ich sehe bei Dir ist gerade ganz viel Alarm. Es ist doch ganz normal dass es Dir Angst macht im Dunkeln alleine zu sein. Das geht uns allen so… “ Oder „da funktioniert gerade etwas für Dich nicht. Es ist ganz natürlich dass Du da frustriert bist…“

Das Fühlen und Ausdrücken von Emotionen stärkt jedenfalls nicht nur die Resilienz eines Kindes sondern ist auch eine wichtige Grundlage für das Entwickeln von Reife und Ausgeglichenheit. Tugenden und soziale Kompetenzen wie Geduld, Rücksicht, Empathie sowie eine Beziehung zu Gerechtigkeit entwickeln sich aus einem fühlenden Herzen und sind Schlüssel zu unserer Menschlichkeit. Insofern sind Emotionen kostbare Entwicklungshelfer und der Motor für menschliche Reifwerdung. 

Nimm Dir einen Moment Zeit um zu schauen wie Du Deinen eigenen Emotionen gegenüberstehst - wie geht es Dir damit? Kannst Du Freude, Frustration, Alarm oder auch Traurigkeit bei Dir zulassen? Oder nur ausgewählte Emotionen und andere eher nicht? Wie geht es Dir damit wenn Dein Kind Emotionen ausdrückt, seine Angst, seine Traurigkeit oder wenn Dein Kind einen Wutanfall bekommt?

Schau doch einmal ob Du Dich auf den Perspektivwechsel einlassen kannst: Emotionen gehören zu uns als Menschen und sie haben eine Aufgabe. Unsere Aufgabe als Eltern ist es, unseren Kindern zur Seite zu stehen, damit sie ihre Emotionen fühlen und ausdrücken können. Vielleicht hilft hier ein Satz wie: „ich sehe bei Dir ist gerade viel Frustration. Lass mich dir helfen, deine Frustration herauszubekommen!“ oder „immer wenn ich richtig traurig bin hilft mir….meine Kuscheltier/meine Kuscheldecke/mein Lieblingsbuch/meine Lieblingsmusik“ oder „als ich so alt war wie du bin ich bei Wut immer rennen gegangen/habe laut mit Wutmusik getanzt/habe ins Klo geschimpft und dann abgezogen/aus Papier Wutbällchen geknüllt und gegen die Wand geworfen etc.

Was kann Dich dabei unterstützen, die Emotionen Deines Kindes besser lesen zu lernen, diese einzuladen und Dein Kind damit zu halten? Was braucht es an der Stelle für Dich? 

Echtes Spiel - so was von magisch! 

Erscheint es Dir auch zuweilen so als sei dein Kind über Nacht ein paar Zentimeter größer geworden? Tatsächlich gehen Wissenschaftler davon aus, dass ein Großteil des Knochenwachstums bei Kindern in Ruhe- und Schlafzeiten geschieht. Auch viele andere Entwicklungs- und Wachstumsprozesse geschehen von einem Platz der Ruhe aus. Wenn wir in die Natur blicken ist es der natürliche Rhythmus der Jahreszeiten, der uns dieses Lebensprinzip aufzeigt: Auf den Winter - in dem sich die Natur ausruht und in dem kein sichtbares Wachstum stattfindet - folgt der Frühling mit all seinem Sprießen und Wachsen und dem neuen Leben. Ruhe und Regeneration scheinen somit wichtige Bedingungen für gesunde Entwicklung zu sein.

Nun gibt es neben der Regeneration, die beim Schlafen erfolgt, noch eine andere Form der Regeneration, die ähnlich effektiv wie das Schlafen ist - nämlich das Spielen. Forscher haben herausgefunden, dass die Gehirnwellen während des Spielens den während des Schlafes messbaren Gehirnwellen ähneln.

Natürlicherweise spielen alle gesunden jungen Säugetiere und auch unsere Kinder - wenn wir die dafür benötigten Bedingungen bereitstellen. In unserer Kultur wird dem freien Spiel jedoch wenig Bedeutsamkeit beigemessen und mehr und mehr Eltern berichten, dass ihre Kinder nicht mehr in versunkenes Spiel hineinfinden. Spiel ist nichts Dringendes und wird häufig überlagert von unserem Fokus auf Arbeit, Effizienz und Ergebnisse.

Echtes Spiel dient der Regeneration und ist ein Kokon für Transformation. Es ist eine Oase der Sicherheit und eine wichtige Aus-Zeit vom echten Leben: Das Kind kann sich von der Welt ausruhen und geht gleichzeitig mit der eigenen Lebenswelt in Beziehung. Das Kind drückt sich selbst und seine Emotionen aus und es entwickelt sich im Spiel in seine eigene Individualität hinein. Das echte Spiel ist gekennzeichnet von einer Bewegung, die von innen nach außen geht - wie ein Ausatmen des Kindes und dieses Kriterium erfüllt kein Videospiel. Es kann ein Spielfilm oder ein Hörspiel sein, wenn das Kind sich davon bewegen lässt. Oder ein Buch, das die Phantasie des Kindes anregt oder es dem Kind ermöglicht, indirekt mit seinen Emotionen in Verbindung zu gehen.

Das Spiel kümmert sich sozusagen um die Emotionen insofern als dass das Kind seinen Alarm, seine Frustration, seine Trauer und seinen Schmerz ins Spiel einfliessen lässt, diese zum Ausdruck kommen und sich verwandeln können. Im kreativen Spiel werden weiterhin Problemlösenetzwerke im Gehirn gebildet, die unseren Kindern später als Basis für schulisches Arbeiten dienen.

Das weite Reich des Spiels umfasst unzählige Spielwiesen und je nach Kind unterscheiden sich die Spieleneigungen und Lieblingsspiele - von Bewegungsspielen wie rennen, klettern, schaukeln, toben, Ball spielen, schwimmen, tanzen, Einrad fahren über Bauspiele - Baumhäuser, Höhlen oder Tipis bauen, werken, töpfern, Musik - singen oder ein Instrument spielen, kochen, backen, Naturmandalas, Rollenspiele, Gedichte oder Tagebuch schreiben, zeichnen, malen, Brettspiele, Puzzle usw.

Spiel wird leicht von Arbeit überlagert und braucht daher unseren Schutz. Um Spiel zu schützen kannst Du bewußt freie Zeit und Leerräume im Leben Deines Kindes schaffen - frei von strukturierten Aktivitäten, frei von Treffen mit Freunden oder auch Geschwistern und frei von Bildschirmen. Du kannst Deinem Kind oder Deinen Kindern eine spielfreundliche Umgebung anbieten, eine Umgebung die das kindliche Spiel einlädt - dies kann ganz einfach sein und je nach Alter und Spieleneigung des Kindes ein matschiges Stück Erde, ein Bach, ein knorriger Kletterbaum, verschiedenartige Hölzer und Stöcke, Murmeln, Bälle, Papier, Stift und Schere oder ein Puzzle sein. Hilfreich sind auch Spielerituale wie Spieleabende, Familienspielzeiten oder auch Jahreszeitenspiele.

Sobald das Kind ins Spiel gefunden hat, ist „wohlwollende Nachlässigkeit“ angesagt in dem Sinne dass Du das Kind in seinem natürlichen Tun wahrnimmst, dessen Spiel-Raum schützt und das Kind in seinem Tun möglichst nicht unterbrichst. Versuche auch davon abzusehen, das Kind für sein Spiel zu loben, damit sich das absichtslose Spiel des Kindes nicht in Arbeit verwandelt und das Kind es nicht tut, um Dir zu gefallen und versucht, durch Spiel Wertschätzung von Dir zu erlangen.

Obgleich es so unscheinbar daherkommt hat und häufig als ineffektiv und zeitverschwenderisch angesehen wird hat das kindliche Spiel es also in sich. Das (kindliche) Spiel ist in Wahrheit ein potenter Entwicklungshelfer und eine natürliche Heilquelle  - nicht nur, aber auch - in schwierigen Zeiten sowie eine wirkungsvolle Vorbereitung für das Leben unserer Kinder.

  • Wie erlebst Du Dein Kind oder Deine Kinder in Bezug auf Spiel? 


  • Wie ist Deine eigene Haltung zu Spiel? Gibt es eine Wertschätzung dafür? Oder räumst Du formalem Lernen und Förderung eine höhere Priorität im Leben Deines Kindes ein?


  • Was ist die natürliche Spieleneigung Deines Kindes, bei welchem Spiel leuchten die Augen Deines Kindes?  


  • Wie kannst Du Dein Kind in seiner natürlichen Spieleneigung unterstützen? 


  • Vielleicht magst Du auch noch Deine eigene Spieleneigung erforschen: Was hat Dir als Kind Freude gemacht? Welches Spiel lässt Dich als Erwachsener lebendig fühlen?